Rettungsdienst süß-sauer: Macau

Rettungsdienst Macau

Exkurs 1: Vor 2 Jahren war ich bei den „Bombardieoros“ in Lissabon. Bombaderios ist Feuerwehr und Rettungsdienst in einem. Dort durfte ich mir die Rettungswagen und die Wache anschauen. Nach dem Besuch war ich erschreckt darüber, wie schlecht der Rettungswagen, obwohl ja europäisches Land, ausgestattet ist. Besonders erschreckend: Es gibt nur einen AED für 3 Fahrzeuge. Auch die Feuerwehrautos sind alt und die Schutzkleidung (wenn man das so nennen kann) in einem schlechten Zustand (Taucherbrille und Mundschutz aus Stoff schützen das Gesicht).

Exkurs 2: In Macau sind alle Schilder auf chinesisch und portugiesisch. Wieso? Bis 1999 war Macau (auch wie Hongkong eine Sonderverwaltungszone, aber mit wesentlich engerer Bindung zu China) portugiesische Kolonie.

 

Vielleicht wisst ihr schon worauf das hinausläuft. Aber von Anfang an:

Wir liefen gerade zu einem Aussichtspunkt, als wir an einem Straßenfest vorbeikamen. Also schlenderten wir über den Platz und schauten uns die vielen Stände an. Nach kurzer Zeit war klar: das war eine Art „Tag der offenen Tür“ der Polizei. Neugierig schauten wir uns alles an, auch wenn das Fest auf Kinder ausgerichtet war. Am Ende in der hintersten Ecke, stand eine „Ambulancia“. Nach kurzem Zögern fasten wir uns ein Herz und sprachen die Bombaderios an.

 

In Macau, anders als in Hongkong, spricht so gut wie niemand Englisch.

Diese Erfahrung machten wir auch mit den Bombadeiros. Das Gute an Asien: Es gibt so gut wie immer und überall Free Wifi. Und das Gute an Google: Google Translate. Also versuchten wir ihnen zu erklären, dass wir „Paramedics from Germany“ sind und gerne etwas über ihren Rettungsdienst lernen wollen.

Am Anfang dachten sie wohl, wir wollen ein Pflaster oder sonst irgendeine Medizin umsonst haben.

Auf jeden Fall, egal wie sehr wir versuchten, zu erklären, was wir wollten, waren sie sehr skeptisch. Irgendwann hatten sie unser Anliegen verstanden, riefen ihren Chef herbei, der uns aber nur an ein Museum verwieß und damit war das Gespräch auch schon beendet. Bis heute wissen wir nicht, ob es an der Sprachbarriere lag oder ob sie wirklich uns den RTW nicht zeigen wollten. Etwas enttäuscht entschieden wir uns aber dennoch das Museum zu besichtigen.

Das Museum war in der alten Feuerwehrwagenhalle, man konnte alte Feuerwehrautos, Uniformen und Geräte besichtigen. Ganz interessant und umsonst, aber Feuerwehr ist nunmal nicht so unser Thema. Nach 10 Minuten Besichtigung (Es ist ein wirklich kleines Museum) gingen wir wieder raus und wollten zurück zu unserem eigentlichen Ziel. Dabei liefen wir eine kleine Gasse lang.

 

Guck mal, da ist die richtige Wache!“

So ganz wollten wir noch nicht aufgeben. Vor dem Eingang der Wache stand ein Wachhäuschen, besetzt mit zwei Uniformierten. Bevor wir das gleiche Problem mit der Sprache wieder hätten, gaben wir vorher den Text bei Google Translate ein. Der freundliche Uniformierte aus dem Wachhaus verstand direkt was wir wollten und telefonierte. Er war sogar ein bisschen aufgeregt. Bald kam ein junger Mann zu uns, der etwas Englisch sprach. Gerne würde er uns alles zeigen, allerdings müsste er vorher den Chef der Macauischen Feuerwehr fragen. Aber wir hätten Glück, er wäre heute zufällig zu Besuch. Der Chef, ein kleiner Mann, um die 50 Jahre in blauem Ralph-Lauren-Pulli, Jeans und Sneakern, begrüßte uns freundlich. (In dieser Situation lernten wir, dass auf keinen Fall der Frau zuerst die Hand gegeben wird). Er sagte uns, wir könnten für 2 Minuten einen Blick in das Auto werfen. Der englischsprechende Bombadeiro, sein Name war (ich weiß es nicht mehr, irgenwas chinesisches, aber in meinem Kopf heißt er Pablo) also Pablo, zeigte uns den Rettungswagen und beantwortete unsere Fragen. Er ließ uns in das Feuerwehrauto klettern und machte für uns extra Horn und Blaulicht an. Er war sehr stolz auf seine Arbeit und noch stolzer uns es zeigen zu dürfen. Nur auf ein Foto mit uns wollte er auf keinen Fall.

 

So jetzt aber zum inhaltlichen, eine Zusammenfassung des Macauer Rettungsdienstes:

1. Es gibt RTW´s, First-Responder- Motorräder und verschied. Feuerwehrautos 

2. In ganz Macau (300.000 Einwohner) gibt es 30 RTWs und ca. 1000 Feuerwehrbeamte

3. Es wird in 24h Schichten gearbeitet.

4. Ein Feuerwehrmann durchläuft eine 1. Hilfe-Ausbildung. Er sitzt abwechselnd auf dem FWAuto oder RTW

5. Die Hilfsfrist beträgt 6 Minuten, in 60 Sekunden muss das Auto besetzt sein.

6. 4 Leute sind bei einem Einsatz beschäftigt, einer fährt mit dem Motorrad vor und 3 besetzten den RTW

7. Sie arbeiten nach dem Load- & Go- Prinzip, denn

8. Auf dem RTW befinden sich „nur“ ein Spineboard, AED, O2.Flasche und  ein Kad-system

9. Nur wenn der Grand Prix stattfindet, gibt es einen Notarzt mit Intubationsmöglichkeit und Medikamenten

10. Die RTW sind kleine VW-Sprinter, da größere Autos nicht durch die engen Gassen passen würden

11. Die Uniform ist ein blauer Overall mit Schulterklappen und Kappe.

12. Beim Blick ins Auto viel uns direkt die Unordnung und das sehr alte Material auf.

 

Besonders erstaunt hat uns aber folgende Aussage:

Wenn es mal in einem der großen Casinos brennen sollte, können wir das nicht löschen. Unsere Leitern sind zu klein dafür.“

 

Um ehrlich zu sein, war unsere Begegnung mit dem Macauischen Rettungsdienst eine süß-saure Erfahrung.

Viele Dinge erinnerten mich an die portugiesische Rettungswache. Alles ist alt und sehr einfach gehalten. Besonders die letzte Aussage fanden wir erschreckend.

Macau ist eine sehr reiche Stadt, die viel Geld mit den glamorösen und modernen Casinos verdient. Wir können nicht wirklich verstehen, wieso nicht etwas mehr in den Rettungsdienst und die Feuerwehr investiert wird. Auch haben wir uns sehr unwohl gefühlt. Wir waren nicht wirklich willkommen (auch wenn Pablo sehr freundlich war, wurde immer ein „Schnell, schnell das Foto machen“- Gefühl vermittelt). Am Ende sagte man uns, dass wir jetzt gehen müssen. Keine Frage, wir sind sehr dankbar, dass wir einen Einblick bekommen durften. Aber das herzliche und kollegiale Gefühl, was uns auf den anderen Rettungswachen begegnet ist, blieb hier aus.

Man merkt deutlich den portugiesischen Einfluss, das System ist dasselbe und die Ausstattung fast gleich. Wir hoffen, dass sich in den nächsten Jahren etwas verändert, damit die großen Casinos auch gerettet werden können.